Martin Eyerer (Kling Klong): “Ich halte in Stuttgart die Fahne hoch!”

Fast 20 Jahre hat sich der gebürtige Münchner Martin Eyerer der elektronischen Musikszene verschrieben. In der baden-württembergischen Hauptstadt Stuttgart hat er sich seit einiger Zeit niedergelassen und bereist vor dort die halbe Welt. Mit uns sprach er wie er zur Musik fand, DJ wurde, wie es um die Szene um und in Stuttgart bestellt ist und was er für die Zukunft geplant hat.

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Clubvirus: Man kann Dich ja schon als alten Hasen der elektronischen Szene bezeichnen, denn schon 1993 erschien deine erste Platte. Was hat Dich dazu bewogen DJ zu werden? Und was hat Dich speziell zur elektronischen Musik gebracht?

Martin Eyerer: Ich habe 1986 in einer Tanzschule die Samstags Disco gemacht. Das gabs damals für alle ab 14 . Bin dann wie ein Wahnsinniger jeden Tag dahingefahren, um das Mischen zu üben und die ganzen alten Platten aus dem Keller anzuhören. Dann gings klassisch weiter über Parties und Schulschwoofs zum ersten “richtigen” Job in einer Disco. Damals kam elektronische Musik gerade erst auf. Mich hat das total gefalsht, als ich 1989 auf Ibiza war. Ich kam zurück und wollte nur noch diese Musik spielen. Anfang der Neunziger kam dann der große Technoboom mit den ganzen Raves und so weiter und ich war voll dabei.

Clubvirus: Du bist Moderator der Radiosendung “Sunshine live Kling Klong”. Wie kam es dazu und seit wann genau machst Du dies schon?

Martin Eyerer: Ich hatte ja schon vier Jahre lang zuvor die Session Deluxe auch auf Sunshine gemacht. Dazu kam ich, weil ich schon länger Interesse hatte eine Radiosendung zu machen. Damals habe ich mehrere Gespräche mit dem Chef dort geführt und irgendwie hatten wir beide Lust etwas zu machen. Beim Radio geht das nicht von Heute auf Morgen, Sendungen werden langfristig geplant. Irgendwann gabs dann einen freien Slot und die haben mir das angeboten. Das war noch eine live Sendung – jeden Sonntag. Als es bei mir mit den internationalen Reisen immer mehr wurde, war es oft unmöglich Sonntagabends in Mannheim zu sein. Da legten wir das erstmal ein Jahr auf Eis, um dann eben mit einem anderen Konzept wieder los zu legen. Das ist jetzt die Kling Klong Show. Die kann ich unter der Woche aufnehmen und wird dann eben Samstags gesendet. Macht mir riesen Spass, weil man im Radio auch mal andere Sachen spielen kann als in einem Club.

Clubvirus: Ist in irgendeiner Ausgabe deiner Radiosendung schonmal etwas außergewöhnliches passiert, wo Du dich erinnern magst? Es kann natürlich positiv aber auch negativ in Erinnerung geblieben sein.

Martin Eyerer: Ach da gibts so Einiges. Für den Hörer vielleicht nicht so interessant, aber wenn man selber da steht, dann können einen Dinge wie der Absturz des Sendecomputers oder einfach auch nur einen Sprachhänger schon ganz schön stressen. Mit den Jahren und der Routine wird man da natürlich viel relaxter. Gerade als ich noch die Liveshow hatte, bin ich nicht selten eine Minute vor Sendestart im Studio eingelaufen. Das war immer ganz lustig – aber nur im nachhinein. :- )

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Clubvirus: Du lebst in Suttgart. Deshalb würden wir gerne von Dir wissen, wie es um die Szene in der baden-württembergischen Hauptstadt bestellt ist. Was sind für dich die elektronischen Aushängeschilder in Stuttgart?

Martin Eyerer: Also eigentlich bin ich ja gebürtiger Münchner, verbringe aber schon mein ganzes Leben im Schwabenländle, sodass ich bestimmt einen höheren Status als ein Reingschmeckter geniesse. Die Szene hier ist wirklich gut und das war sie auch schon immer. Schon Anfang der Neunziger gabs das Oz, das war in ganz Deutschland bekannt. Hier sind auch viele Frankfurter noch morgens eingelaufen. Z. B. der Väth oder der Spoon …
Auch heute noch hat Stuttgart, obwohl es ja nicht gerade die größte Stadt Deutschlands ist, verhältnismässig viele angesagte und gut laufende Clubs. Wir haben hier locker fünf gute Clubs, die sich jede Woche mit nationalem und internationalen Line up übertreffen. Manchmal schon wieder fast zu viel auf einmal.

Es hat ja schon einen Grund, warum ich eben nicht nach Berlin gezogen bin, wie viele andere, sondern hier die Fahne hochhalte.

Clubvirus: Außer deiner Radiosendung bist Du Gründer und Betreiber der beiden Labels Session Deluxe und Kling Klong. Sag uns doch bitte, was Dich bewogen hat, die beiden Labels ins Leben zu rufen.

Martin Eyerer: Das sind bestimmt die Gründe der meisten Labelmacher: Man möchte einfach Musik releasen, ohne dass jemand anderes einem dabei “reinredet”. Ausserdem habe ich ein gutes Netzwerk an befreundeten Produzenten und da ist es eine schöne Sache sich eine gemeinsame Platform aufzubauen. Im Falle von Kling Klong kam zu dem Zeitpunkt, als ich das gegründet habe noch dazu, dass sich da eine interessante Kooperation mit Great Stuff Records aus München anbot.

Clubvirus: Was für Projekte werden es in naher Zukunft von Dir und deinen beiden Labels geben? Auf was dürfen wir uns freuen?

Martin Eyerer: Auf Session Deluxe, wo es jetzt eine Pause gab, kommt nächsten Monat eine Single von mir mit remixen von Stephan Hinz und Mihalis Safras raus. Danach dann eine sehr vielversprechende Scheibe des Italieners Flavio Lodetti und dann eine von Robert Babicz, der schon seine Zweite bei mir macht.

Bei Kling Klong haben wir gerade das Namito Album releast, das sehr gut lief und viel Beachtung bekam. Da werden noch bestimmt zwei Singles ausgekoppelt. Als nächstes kommt eine Single von Lützenkirchen, wo wir einen tollen Remix von Thomas Barfod haben. Ich selber sitze an meinem zweiten Longplayer und der wird natürlich auch auf meinem Label Kling Klong kommen.

Ansonsten habe ich letztens vier Remixe fertig gemacht. U.a. für Gus Gus auf Kompakt, für Psacal Vert auf LoFi und einen für ein Charity Projekt für afrikanische Kinder.

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Clubvirus: Als DJ sieht man fast die halbe Welt – wenn auch nur die jeweiligen Clubs ;- ) Du bist in Europa, Nord- und Südamerika, Asien, Australien und sogar im Nahen Osten unterwegs. Wo hat es Dir bis jetzt am schönsten gefallen, außer natürlich in deiner Heimat?

Martin Eyerer: Da gibt es viele Orte. Am liebsten gehe ich nach Südamerika, da sind die Menschen wirklich so wie man sagt und das Land ist einfach schön. Sehr gut gefällt es mir auch in Peking und Australien ist auch jedes Jahr auf jeden Fall ein Highlight.

Clubvirus: Was war dein bisher krasseste Wochenende, dass Du als DJ erlebt hast?

Martin Eyerer: Ein 24 h Flug nach Melbourne, direkt vom Flieger in den Club, dann eine Afterhour gespielt. Am nächsten Tag dann nach Sydney und dort wieder einen Gig gehabt und nochmals eine Afterhour gespielt und dann direkt wieder 24h heim.

Clubvirus: Unsere letzte Frage: Wann bist Du mal wieder im Rhein-Main-Gebiet und speziell in Frankfurt anzutreffen? Dein letzter Gig im NewBasement (Wiesbaden) liegt ja auch schon eine Zeit zurück …

Martin Eyerer: Das ist sehr bald: Am 21.November im U60311. Freue mich schon!

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