Samstag, 03. September 2011
Barem (Minus / Argentinien)
Waffel & Pfannkuchen (Benztown Artists / Esslingen)
Romy S., Stuttgart, Beginn: 23:00 Uhr

Kreidebleiche DJs, die auf ihr Laptop-Display starren, und blutleere
Geschmackspolizei-Produzenten, die scheinbar regungslos auf der Bühne im
Schneckentempo die Knöpfchen drehen: Techno-Künstler mit dem Charisma eines
Wurstbrots gibt es wie Sand am Meer. Brauchen wir nicht, wollen wir nicht.
Denn das Romy S.-Publikum ist anspruchsvoll: Die Musik muss stimmen, klar.
Aber auch die Performance. Schnarch-Gefummel ist da genauso fehl am Platz
wie hyperaktives NuRave-Gedaddel. Einer, der aber sowohl großartige
Tanzmusik produziert als auch in Kontakt mit seinem Publikum steht, ist
Barem aus Buenos Aires. Der war zwar erst im April im Romy S. – aber die
Resonanz auf seinen damaligen Auftritt war so überwältigend, dass wir ihn
schnell wieder holen mussten.
Barem gilt als neuer Typ des Produzenten. Statt sich verkopft hinter dem
Laptop zu verkriechen und mit Track-Schablonen im Kopf zu produzieren, lässt
er sich einzig von seinen Emotionen leiten. Da wird das Equipment
angeschmissen, kurz die Gemütslage gecheckt, und los geht’s. Kein Wunder
also, dass sich seine Tracks so enorm emotional und mitreißend anhören. 2005
erschien auf dem Netz-Label „Unfoundsound“ seine erste EP, ein Jahr später
stand das erste Vinyl von ihm in den Plattenläden. Richie Hawtin, der alte
Talent-Schnüffler, entdeckte Barem kurz darauf, und nahm ihn für sein
renommiertes Label „Minus“ unter Vertrag. Dort veröffentlicht Barem seitdem
seine ungestümen Tracks – wie zuletzt „After The Storm“. Den Spaß, den er
beim Produzieren hat, hört man: Die warmen, druckvollen House-Beats bahnen
sich hypnotisch pochend den Weg vorbei an verschiedensten Samples, crazy
Loops und vielen Trommeln, Bongos und sonstigem Geknattere. Dass er seine
Tracks auf das Nötigste und Effektivste reduziert, brachte ihn den Ruf des
Vorzeige-Minimal-Manns ein. Das freut Barem zwar, aber auf Titel gibt er
nicht viel. Er kümmert sich lieber um sein Publikum, das er regelmäßig mit
neuen Tunes versorgt, die er für seine Fanbase online stellt. Ein
sympathischem Künstler, der fette Tanzmusik produziert – Supertyp, der Typ!







